Identity Shift: Wie du dein Leben positiv veränderst

Die meisten Menschen haben das Gefühl, dass sie etwas in ihrem Leben ändern müssen. Sie würden sich gerne in bestimmten Situationen anders verhalten, würden gerne anders denken, sich anders fühlen oder anders wirken. Was die wenigsten jedoch verstehen, ist, dass Veränderung immer aus einem selbst entstehen muss. Man kann nie anders handeln, wenn man im Kern die gleiche Person bleibt.  

Wie mir mein damaliger Fußballtrainer bewusst machte, dass man mit der richtigen Einstellung alles erreichen kann und wie ich gelernt habe, die eigene Identität seinen Zielen anzupassen, erfährst du in dem folgenden Blogbeitrag.

 

Die Einstellung entscheidet über das Ergebnis

Es war Samstag und ich saß mit der gesamten Fußballmannschaft in einem kleinen, staubigen Raum. Normalerweise würden wir auf dem Platz stehen und uns für ein Spiel warm machen. 

Diesen Samstag war es anders. Mein Trainer stand vorne und sprach über die vergangene Saison. Ich schaute in die Runde und sah die gelangweilten Blicke. Jeder von uns wollte draußen sein und Fußball spielen. Wir verstanden damals nicht, wie wichtig dieser Tag für uns werden sollte.

Der Grund für das Mannschaftstreffen war das Ergebnis der letzten Saison. Wir befanden uns im unteren Teil der Tabelle und die Motivation war dementsprechend im Keller. Manche überlegten, mit dem Fußball aufzuhören, andere kamen nicht mehr zum Training. Mich machte das traurig, weil ich wusste, dass wir eine starke Mannschaft waren. Wir hatten gute Spieler, aber dennoch schafften wir es nicht, den Sieg nach Hause zu holen.

Unser Trainer war sich dem Ernst der Lage bewusst und hatte deshalb das Mannschaftstreffen einberufen. Er wusste, dass wir vor dem Zerfall standen und uns jede weitere Niederlage zerstören könnte. Das konnte er unter keinen Umständen zulassen.

Aus diesem Grund stand er vorne und ließ die vergangene Saison Revue passieren. Wir erwarteten, dass wir jedes Spiel im Detail analysieren würden, aber das war überraschenderweise nicht der Fall. Wir sprachen zwar kurz über die Schlüsselmomente der letzten Spiele, aber danach wechselte er schnell das Thema.

Die Identität eines Sportlers

Er nahm einen blauen Edding in die Hand, stellte ein Flipchart auf und schrieb in großen Buchstaben ,,SPORTLER”.

Plötzlich fing er an, uns darüber auszufragen, was einen Sportler ausmache. Für uns schien diese Frage banal zu sein. Einige trauten sich gar nicht, sich zu melden, weil sie glaubten, es handle sich um eine Fangfrage. Jeder schaute in die Runde und suchte nach einer Antwort. Was passierte hier gerade? Nachdem die längsten 30 Sekunden meines Lebens vergingen, meldete sich unser Kapitän und sagte: ,,Disziplin.” Unser Trainer drehte sich wieder zum Flipchart und schrieb es auf.

Allmählich trauten sich auch die anderen und nach einer guten halben Stunde hatten wir eine Liste mit zahlreichen Eigenschaften eines Sportlers parat. Wir legten fest, dass ein Sportler diszipliniert, ehrgeizig und pünktlich ist. Dass er auf seine Ernährung sowie seinen Schlaf achtet und die volle Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Kurzgesagt: Wir formten die Identität einer Person, die sich von nichts und niemandem stoppen ließ.

Während wir diese Identität formten, merkte man förmlich, wie sich die Stimmung im Raum veränderte. Keiner hing mehr wie ein nasser Waschlappen auf dem Stuhl, sondern jeder saß aufrecht und gespannt auf seinem Platz. Es verbreitete sich eine gewisse Euphorie im Raum, die vor einer halben Stunde undenkbar gewesen wäre. Mich persönlich freute es sehr, dass uns diese Übung Motivation gab, aber ich fühlte mich auch unwohl. Diese Identität eines Sportlers schien zwar motivierend zu sein, allerdings fühlte ich mich davon insgeheim angegriffen. Das lag nicht daran, weil ich die Punkte für irrsinnig hielt. Ich stimmte jedem dieser Punkte vollkommen zu.

Es war die Tatsache, dass ich mir in diesem Moment eine unangenehme Wahrheit eingestehen musste:

Meiner Auffassung nach war ich zu dem damaligen Zeitpunkt ein echter Sportler. Ich liebte den Fußball und war jeden Tag draußen. Doch während wir diese Liste zusammentrugen, bemerkte ich immer mehr, dass ich all die Dinge tat, die ein echter Sportler nicht tun sollte. Ich ging häufig spät schlafen, aß noch kurz vor dem Training und übernahm selten die Verantwortung für mein Handeln.

Selbstwahrnehmung ≠ Realität

In meiner Welt war ich zwar ein Sportler, aber mein Handeln entsprach nicht der Realität. Selbstverständlich wollte ich mir das nicht eingestehen. Wie kommt mein Trainer auf die Idee, mir indirekt zu sagen, dass ich kein Sportler sei? Trotz alledem realisierte ich tief im Inneren, dass meine Identität eher die eines Faultiers als einem echten Sportler ähnelte.

Mit dieser Erkenntnis fing ich an, mein Handeln und meine Gewohnheiten zu hinterfragen. Ich ging rechtzeitig schlafen, aß nichts vor dem Training und übernahm sowohl auf als auch neben dem Spielfeld die Konsequenzen für meine Handlungen. Ich wurde zu einem echten Sportler.

Das Ziel ist es nicht, Sport zu treiben.

Das Ziel ist es, ein Sportler zu sein.

Damals war mir natürlich noch nicht bewusst, was mit mir geschah. Niemand aus meiner Mannschaft erkannte, was unser Trainer mit dieser Übung bezwecken wollte. Es ging nicht darum, uns kurzfristig in Euphorie zu versetzen. Es ging darum, einen Identity Shift vorzunehmen.

Mein Trainer wusste damals, dass es nichts bringt, uns mit den besten Strategien oder Taktiken auszustatten. Strategien oder Taktiken sind nur Werkzeuge, die einen schneller von A nach B bringen. Sie sind wie ein Auto, welches dich nach Barcelona fahren kann. Jedoch bedarf es auch einer Person, die sich in das Auto setzt und es bedient. Das schnellste Auto der Welt ist nichts wert, wenn man nicht damit umgehen kann.

Genau das Gleiche galt auch für die letzte Saison. Wir hatten eine starke Mannschaft, aber wir nutzten nicht unser volles Potential. Der Grund hierfür war hauptsächlich die mangelnde Disziplin. Das Problem dabei war, dass wir uns dessen nicht bewusst waren. Wir wussten, dass das Auto nicht ansprang, aber wir kannten die Ursache dafür nicht.

Unser Trainer hätte uns selbstverständlich darauf hinweisen können, aber er wusste, dass wir seinen gut gemeinten Rat als Schuldzuweisung auffassen würden. Selbst wenn wir seinen Rat akzeptiert hätten, hätte es nichts an unserem Verhalten geändert. Kurzfristig wären wir zwar disziplinierter geworden, aber sobald der äußere Druck nachgelassen hätte, hätte auch unsere Disziplin nachgelassen. Es musste eine Veränderung in unseren Köpfen stattfinden. Also ließ er uns unsere Schwächen selbst erkennen, indem er gemeinsam mit uns die Identität eines Sportlers formte. Es war nicht unser Trainer, der befahl, wie wir uns verhalten sollten. Wir selbst bestimmten, wer wir sein wollten.

An die Tabellenspitze

Dank dieser Übung schafften wir es, uns vom Tabellenende an die Tabellenspitze zu kämpfen. Wir gewannen in der darauffolgenden Saison jedes einzelne Spiel und wurden Meister. Dabei hatte sich nichts großartig in unserem Kader oder in unseren Fähigkeiten geändert. Es war die Tatsache, dass wir unseren Gegnern stets einen Schritt voraus waren. Wir waren echte Sportler, die alles gaben, um zu gewinnen. Nicht erst am Spieltag, sondern bereits zuhause oder beim Training.

Das wichtige ist demnach, ein Fundament aufzubauen, mit dem man es schafft, nachhaltig intrinsisch motiviert zu bleiben. Dieses Fundament wird mit Hilfe eines Identity Shifts gebildet.

Was ist eine Identität?

Vorab ist es essentiell zu verstehen, was unsere Identität im Kern ausmacht. Eine Identität besteht hauptsächlich aus Glaubenssystemen. Unser Glaubenssystem entscheidet darüber, was wir cool oder uncool finden. Es gibt Menschen, die beispielsweise Schach für die coolste Sportart der Welt halten. Dann gibt es wiederum Menschen, die behaupten, dass Schach keine Sportart sei. Woran liegt das?

Sobald wir auf diese Welt kommen, besteht unser Leben hauptsächlich aus einer Sache: Erfahrungen sammeln. Wir fassen alles an, was uns in die Hände kommt und versuchen zu verstehen, wie es funktioniert. Das ist ein essentieller Entwicklungsschritt jedes Lebewesens, um die Welt um sich herum zu verstehen. Indem wir Dinge ausprobieren und somit Erfahrungen sammeln, können wir dieses Wissen abspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt abrufen. Dieses evolutionäre Werkzeug erspart uns viel Zeit und Energie, da wir nicht jedes Mal aufs Neue lernen müssen, dass die Herdplatte heiß ist.

Das Problem hierbei ist nur, dass wir ab einem bestimmten Zeitpunkt mit dem Lernen aufhören. Wir beschließen, mittlerweile genug gesehen zu haben und neuen Informationen aus dem Weg zu gehen. Es entstehen Glaubensmuster, die sich mit jedem Tag stärker in uns verankern. Dies kann hilfreich sein, um Risiken korrekt einzuschätzen, jedoch schränkt es ebenfalls unser Potential ein.

Glaubenssätze im Beispiel

Um das Prinzip zu verdeutlichen, stellen wir uns eine Person vor, die im Schulsport schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ständig fühlte sich die Person abgehängt oder minderwertig gegenüber ihren Mitschülern. Diese Person zieht die Schlussfolgerung, dass sie unsportlich sei. Sie trifft Aussagen wie ,,Sport ist Mord” oder ,,Ich bin nun mal unsportlich”. In jeder Situation, in der sie mit dem Thema konfrontiert wird, wiederholt sie diese Sätze. Somit wird mit jedem Gedanken die Identität einer unsportlichen Person gefestigt.

Es ist wie ein Strang, der mit jedem Gedanken um einen Faden ergänzt wird. Je häufiger diese Person diese Sätze wiederholt, desto mehr Fäden kommen hinzu und der Strang wird immer fester und fester. Anfangs kann der Strang mit einer Kinderschere durchtrennt werden. Doch nach mehreren negativen Erfahrungen wird der Strang so fest und dick, dass selbst eine Gartenschere diesen nicht mehr durchtrennen kann. Was mit einem harmlosen Gedanken angefangen hat, wurde nun zu einer Identität. Diese Person ist davon überzeugt, dass es ihr Schicksal ist, unsportlich zu sein.

Nichts ist vorbestimmt

Klar, es gibt Menschen, die eher kreativ veranlagt sind und Menschen, die gut mit Zahlen umgehen können. Im Kern und vom biologischen Aufbau her sind wir hingegen gleich. Das bedeutet, dass jeder ein Sportler werden kann. Schwierig wird es nur, wenn eine Person bereits viele negative Erfahrungen gesammelt hat, die einen Identity Shift nicht zulassen. Selbst wenn diese Person eine positive Erfahrung macht, würde sie es dem Zufall oder Glück zuordnen. Sie würde nur nach Beweisen suchen, die ihrem Glaubensmuster entsprechen.

Wir dürfen allerdings dieser Person nicht die Schuld für ihre negativen Glaubensmuster geben. Sie hat sich nicht bewusst dazu entschieden, diese Erfahrungen zu sammeln und daraus diese Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist unser Unterbewusstsein, welches uns schützen möchte.

Neue Welt, altes Gehirn

Unser Unterbewusstsein ist ein hochintelligenter und zugleich naiver Mechanismus. Einerseits sorgt es dafür, dass wir innerhalb von Sekunden einschätzen können, ob eine Gefahr lauert oder nicht. Andererseits ist es der Grund für unsere Angst vor dem Unbekannten. Das Ziel des Unterbewusstseins ist es, für unser Überleben zu sorgen. Es tut alles, um zu garantieren, dass du überlebst.

Das Problem hierbei ist, dass sich unsere Welt sehr schnell entwickelt hat. Wir müssen mittlerweile nicht mehr vor dem Säbelzahntiger wegrennen oder uns in Höhlen verstecken. Aufgrund der rasanten Entwicklung der Technik und unseres Lebensstandards hatte unser Unterbewusstsein keine Zeit, sich rechtzeitig mitzuentwickeln. Es versteht nicht, dass wir uns nicht mehr im Überlebensmodus befinden.

Unser größtes Problem ist nicht mehr das Überleben, sondern die Bequemlichkeit.

Aus diesem Grund fällt dem Unterbewusstsein auch das Konzept des langfristigen Denkens so schwer. Jeder Mensch mit einem gesunden Menschenverstand würde zustimmen, dass es langfristig gesehen Sinn ergibt, Sport zu treiben, weil sich dadurch die Lebensqualität und -dauer verbessert. Das heißt, dass man kurzfristigen Schmerz (Training) akzeptieren würde, um davon langfristig zu profitieren. Doch für das Unterbewusstsein geht diese Gleichung nicht auf, weil es sich nur darum sorgt, JETZT zu überleben. Was interessiert es mich, in 30 Jahren bessere Überlebenschancen zu haben?

Deshalb ist es nicht die Schuld der Person oder deine Schuld, wenn du Glaubensmuster entwickelt hast, die dich in deinem Leben einschränken. Es ist ein evolutionäres Werkzeug von Mutter Natur, welches unser Überleben vor Jahrtausenden gesichert hat.

Es ist nur deine Schuld, wenn du dir dessen bewusst wirst und nichts dagegen unternimmst.

Aufgabe: Negative Glaubenssätze aufbrechen

Aus diesem Grund findest du im Folgenden eine kleine Aufgabe, die dich auf die eigentliche Übung des Kapitels vorbereiten soll. Das Ziel dieser Aufgabe ist es, einen negativen Glaubenssatz zu identifizieren und zu hinterfragen. Nutze diese Aufgabe auch in Zukunft für weitere Glaubenssätze. Du wirst erstaunt sein, wie anders die Welt ist, wenn du deine negativen Glaubenssätze ablegst.

  • Welcher Glaubenssatz besteht?
    • Welche Ausrede nutzt du, wenn es mal ernst wird?
  • Was hat zu dem Glaubenssatz geführt?
    • Gibt es eine prägende Erinnerung aus der Vergangenheit? 
  • Ist dieser Glaubenssatz berechtigt?
    • Entspricht der Glaubenssatz der Realität?

Identity Shift durchführen

In der Identity Shift Übung geht es darum, sich vorerst seiner alten Identität bewusst zu werden. Es ist wichtig, sich die Frage zu beantworten: ,,Wer bin ich?” Trage die Antworten auf die folgenden Fragen in die erste leere Spalte ein. Sobald du deine alte Identität festgelegt hast, kannst du in der zweiten leeren Spalte deiner Kreativität freien Lauf lassen. Nimm dir genügend Zeit, um jede Zeile auszufüllen. Werde kreativ und lass dich nicht von negativen Glaubenssätzen in deiner Fantasie einschränken. Du entscheidest, welche Identität du annehmen möchtest.

Wichtig bei dieser Übung ist, dass es nicht darum geht, sich selbst etwas vorzuspielen. Es geht lediglich darum, sich selbst besser zu verstehen und selbst festzulegen, wohin man sich im Leben entwickeln will. Das passende Wort hierfür ist Verantwortung. Du übernimmst das Ruder und lässt dich nicht mehr von den Wellen treiben. Es mag zwar anstrengend und unangenehm sein, aber genau an diesem Punkt musst du dich aus deiner Komfortzone in die Wachstumszone begeben.

Anfangs wird es sich komisch anfühlen, eine Identität festzulegen, die man annehmen möchte. Keine Sorge, das ist komplett normal. Ich selbst mache diese Übung alle sechs bis zwölf Monate und jedes Mal fühlt es sich seltsam an. Nichtsdestotrotz erinnere ich mich daran, dass dies ein gutes Zeichen ist. Es bedeutet, dass ich aus meiner Komfortzone komme. Bedeutend dabei ist, dass ich auf den Prozess vertraue. Es wird nicht alles beim ersten Mal gelingen. Das Annehmen neuer Gewohnheiten und Glaubenssätze braucht seine Zeit.

Es ist wie mit dem Entstehen von negativen Glaubenssätzen. Jede Handlung sorgt dafür, dass dem Strang ein neuer Faden hinzugefügt wird. Der Unterschied ist nur, dass es sich um positive Glaubenssätze oder Gewohnheiten handelt. Mit jedem Tag, an dem du eine positive Gewohnheit etablierst, wirst du immer mehr und mehr zu der Person, die du sein möchtest. Mit jedem Training wirst du mehr zum Sportler. Mit jedem Problem, welches du löst, wirst du mehr zum Unternehmer. Und mit jedem Erfolg wirst du mehr zum Creator. Früher oder später gelangst du an einen Punkt, an dem es für dich das normalste der Welt ist, eine bestimmte Gewohnheit auszuüben. Diese Gewohnheit wird ein Teil deiner Identität sein und wir handeln immer im Einklang mit unserer Identität. Es gibt hierzu ein schönes Zitat von Laozi, einem chinesischen Philosophen:

,,Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal!" 

Meine Ergänzung dazu ist: Achte auf deine Identität, denn sie bestimmt deine Gedanken. 


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